Chronik

50 Jahre Skiclub Alpnach
Grüne Teufel auf dem Höllenritt über die Skipisten, ein Sportgeschäft in einer Wohnstube und das ungleiche Kräftmessen zwischen Velofahrer und Dampfschiff – der Skiclub Alpnach kann auf eine erfolgreiche Vergangenheit mit grossen Erfolgen und kleinen Anekdoten zurückblicken.
Obwohl der Skiclub im Jahre 2002 sein 50jähriges Bestehen feiert, reichen die Anfänge des Clubs weit vor das eigentliche Gründungsdatum zurück. Denn am 27. September 1946 wurde die Skiriege Alpnach gegründet und damit der eigentliche Grundstein für den späteren Skiclub gelegt. Die Skiriege war damals eine Untersektion des Turnvereins Alpnach und als solche dem Verein statutarisch unterstellt. Als Obmann der Skiriege amtete Kari Langensand. Ihm zur Seite stand der technische Leiter in der Person von Hans von Atzigen („Simi-Hansi“). Der provisorische Vorstand bestand aus den weiteren Mitgliedern Rinaldo Migliorina und Benno Camenzind. Dieser vorübergehende Vorstand hatte Bestand bis zum 21. November 1949, als er von der Generalversammlung neu zusammengesetzt wurde: Der bisherige Obmann und der technische Leiter wurden in ihren Ämtern bestätigt. Neu dazu kamen Sepp Küng als Kassier, Hans Reber als Materialverwalter und Gusti Wallimann als Aktuar.

Gründung eines Skiclubs geplant
Schon bald jedoch nahm das Interesse des Turnvereins an den sportlichen Leistungen und den Vereinsaktivitäten der Skiriege ab und der Unmut der Skiriegler über das fehlende Interesse auf Seiten des Turnvereins zu. So wurde an der Turnverein-GV vom 10. Januar 1952 beschlossen, dass die Skiriege zukünftig eigene Wege beschreiten und dazu einen Skiclub gründen möchte. Überdies hielt sich das Engagement des Schweizerischen Turnverbandes, der damals auch den Skisport als Disziplin seines Programmes anerkannte, als Dachorganisation über alle Turnvereine in bescheidenen Grenzen. Stattdessen kam der Schweizer Skiverband (SSV) auf und kümmerte sich mit grösserem Aufwand um die Mitglieder. Da die Alpnacher Skiriegler bisher sämtliche Aufwändungen aus den eigenen Taschen berappten, kam die Gründung eines eigenen Skiclubs wie gerufen. Kari Langensand und Hans von Atzigen, die beiden Initianten der Loslösung vom Turnverein, begründeten ihre Trennungsabsichten damit, dass die leitenden Persönlichkeiten des TV kein Interesse an den Aktivitäten und den guten Leistungen der Skiriege bei Wettkämpfen zeigen würden. Die Sport-Toto-Kommission sprach überdies nur einen Betrag, der vollumfänglich in die Kasse des Turnvereins floss. Ein weiterer Punkt, der die Gründung eines neuen Vereins ankurbelte, war die Tatsache, dass die Gemeinde Alpnach pro Verein und Jahr nur ein Anlass bewilligte. Und der TV beanspruchte die Organisation dieses einen Anlasses für sich. Die Trennung wurde auch dadurch erleichtert, dass die Skiriege vom TV bisher keine finanziellen Mittel erhalten hat, und folglich der TV keinen Anspruch geltend machen konnte, dass die Skiriege Teil des TV bleibt. Dem Ausscheiden der Skiriege wurde schliesslich zugestimmt und nach einer mehrmonatigen Zwischenphase wurde am 8. Dezember 1952 im Restaurant Sonne die Gründungsgeneralversammlung des Skiclubs Alpnach abgehalten.

Mit dem Fahrrad zu den Rennen
Hans von Atzigen wurde in den jungen Jahren des Skiclubs zur Hauptperson und zum Förderer des Clubs und seiner Mitglieder. Der begeisterte Wintersportler nahm 1946 bis 1952 selbst an verschiedenen Slalom- und Langlaufrennen teil. Später wurde er zum Betreuer der Skifahrer und Langläufer, die sich dem neu gegründeten Skiclub Alpnach anschlossen.
Jeweils am Freitagabend trafen sich die Skifahrer bei „Simi-Hansi“, der das Obergeschoss der alten Garage Fischer bewohnte. An diesem Treffen wurde das Tenü, die Abfahrtszeit und alles weitere für das sonntägliche Rennen besprochen. Die Anmeldungen für die Rennen wurden meistens von „Simi-Hansi“ selbst erledigt. Weitaus die grösseren Schwierigkeiten als die Organisation der Zusammenkünfte – sie gingen jeweils ohne Einladung und stets in Vollzahl der Teilnehmer vonstatten – bereitete den Skiclubmitgliedern der Transport zu den Rennen. Autos waren zu dieser Zeit noch selten, und der Zug wurde nur für die Reisen ins Urnerland oder ins Schwyzerische benutzt. Alles, was im Umkreis Ob- und Nidwalden sowie Luzern (einschliesslich Entlebuch) lag, wurde mit dem Drahtesel angesteuert. So wurde am Sonntagmorgen das Fahrrad mit Proviant bepackt und das Skipaar auf dem Gepäckträger mit Schnüren festgebunden. Und los ging die Fahrt! Besonders tückisch war die Anreise zur Talstation der Klewenalpbahn in Beckenried. Denn die Velofahrer mussten sich mit den Dampfschiffen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Waren die Radfahrer langsamer als die schwimmenden Verkehrsmittel, so hatten die Radler nach den Strapazen auch noch hinter den erholten Schiffbenutzern vor dem Kassahäuschen der Bahn anzustehen.

„Grüne Teufel“ auf dem Höllenritt
So ist wohl angesichts der strapaziösen Velofahrten zu den Rennorten auch der erste Grosserfolg in der damals noch sehr jungen Clubgeschichte leicht zu erklären. An den Schweizerischen Turnerskimeisterschaften in Andermatt belegten die Fahrer des Skiclubs Alpnach nämlich den 2. Platz in der Mannschaftswertung. Doch waren sie diesmal nicht mit dem Fahrrad angereist, sondern ganz komfortabel mit dem Zug. Die erholsame Anfahrt sorgte dafür, dass die Alpnacher ihre Kräfte erst bei dem höllischen Ritt über die Piste freisetzen mussten. Nicht umsonst wurden die Fahrer des SC Alpnach in den Skifahrerkreisen respektvoll als „grüne Teufel“ bezeichnet. Doch dies hatte weniger mit dem Fahrstil zu tun als mit ihrem Tenü. Die Mitglieder des SC Alpnach haben sich nämlich dem aktuellen Modetrend der damaligen Skiclubs folgend ebenfalls einen Clubpullover anfertigen lassen. Und dieses textile Schmuckstück mit grüner Grundfarbe sowie zwei gelben Streifen auf den Ärmeln und auf der Brust wurde bald zu ihrem unverwechselbaren Markenzeichen. Die Gegner im Rennen waren denn auch die einzigen Bewunderer und Gratulanten, wie die Zweitplazierten feststellen mussten: Denn als der Zug der Brünigbahn mit den Helden in Alpnach ankam, wartete niemand auf die erfolgreichen Heimkehrer. Das Empfangskomitee beschränkte sich auf den kellenschwingenden Bahnhofsvorstand, der allerdings nur Augen für den abfahrenden Zug hatte. Im Restaurant Küchler feierten die erfolgreichen Wintersportler ihren Erfolg unter sich. Nur Architekt Arnold Durrer wurde auf die feuchtfröhliche Gruppe aufmerksam und spendierte spontan eine Runde. Das wars – der Erfolg wurde im Stillen gefeiert. Anlässlich der GV vom 11. November 1953 bekamen die Teilnehmer von den Schweizer Turnermeisterschaften für ihren Erfolg doch noch eine gebührende Ehrung: Hans von Atzigen, Gusti Wallimann, Franz Wallimann, Hermann Bürgi, Wisi Mathis, Otti Küng, Stefan Peter und Paul Schmid. Angeführt wurde die erfolgreiche Equipe von Kari Langensand.

Schreiner und Sportartikelverkäufer
Hans von Atzigen (oder „Simi-Hansi“) war in den Anfängen des Skiclubs die treibende Kraft. Der hauptberufliche Schreiner betrieb in seiner Freizeit ein Sportgeschäft. Dieses war nicht irgendwo im Untergeschoss eines Geschäftshauses untergebracht und hatte auch keine grosse Schaufenster; das Sportgeschäft war nämlich in der Stube von Hans von Atzigens Wohnung zu finden, bevor das immer grösser werdende Angebot an Sportartikeln den Rahmen der Wohnung sprengte und ein neues Domizil im Dorf bezogen wurde. An den obligaten Zusammenkünften jeweils am Freitagabend herrschte in der Stube der von Atzigens reger Betrieb. Hier wurde gehandelt, dort getauscht. Und hatten die Holzskier mit den Blaukanten aus Plastik einen Defekt, so legte der Schreiner selbst Hand an und reparierte die lädierten Latten. Bald darauf wurde der Materialverschleiss mit den aufgeschraubten Stahlkanten zwar geringer, doch die Arbeit für „Simi-Hansi“ ging nie aus. Auch für Materialnachschub war er besorgt. Denn hin und wieder wurde der Bestand des Skiclubs an eigenen Langlaufskiern erweitert. Diese konnten dann von weniger vermögenden Mitgliedern gemietet werden. Und im Sommer wurden aus Haselstauden Torstangen zurechtgeschnitten und mit Farbe bemalt, um im Winter über genügend Stangenmaterial für die Rennen zu verfügen. „Diese haben wir zum Teil noch dem Sport-Toto angemeldet…“, erinnert sich ein Skiclub-Mitglied schmunzelnd an diese Zeit.

„…nur Leute mit gutem Charakter…“
Doch auf Ehrlichkeit und gutes Benehmen wurde – abgesehen von dieser amüsanten Anekdote mit den selbst gefertigten Torstangen – im Kreis des Skiclubs grossen Wert gelegt. Aus den Jahren 1953/54 stammt ein Schreiben für Mitgliederwerbung: „Es soll darauf geachtet werden, dass nur Leute mit gutem Charakter und Leumund Mitglieder werden. Leute, die wir nicht genau kennen und die nicht zum vornherein als geeignet bezeichnet werden können, werden nur unter Vorbehalt aufgenommen.“ Die Mitgliederzahl nahm trotz derart strengen Aufnahmekriterien stetig zu. Waren es bei der Gründung 1952 ungefähr 30 Mitglieder, so zählte die Generalversammlung am 30. Oktober 1954 28 Anwesende, 7 entschuldigte Personen und vier unentschuldigte Mitglieder. Desweiteren wurden acht Neumitglieder aufgenommen. Der Club zählte nun 47 Mitglieder. Der Präsident vermeldete ein überaus aktives Vereinsleben mit erfolgreichen Mitgliedern am Balmeregg-Slalom, dem Heiligkreuz-Slalom und dem Krienser Skitag. Clubmeister in der Kategorie Langlauf wurde Gusti Wallimann. Der clubeigene Riesenslalom auf der Balismatt gewann Edi Sutter. In der Kombination siegten Otti Küng und Vreni Küng (ehemals Rhiner). Ebenfalls für erfolgreiche Vereinsmeldungen an der Generalversammlung sorgte das Abschneiden der nordischorientierten Clubmitglieder. Der SC Alpnach gewann zum dritten Mal den Schorieder Langlauf, der in Zusammenarbeit mit den Skiclubs Schwendi und Guber durchgeführt wurde, und durfte den Wanderpreis endgültig behalten. Besonders die Mitglieder des Skiclubs Alpnach boten sich mit jenen des Skiclubs Guber hart umkämpfte Prestigeduelle. Doch nach den Rennen sassen die vorherigen Kontrahenten beisammen und diskutierten das Renngeschehen oder aktuelle Ereignisse. Der Schorieder Langlauf war nicht nur vom gesellschaftlichen Aspekt her gesehen ein besonderes Ereignis, sondern wartete jedes Jahr mit einer attraktiven Streckenführung auf. Sofern es die Schneelage zuliess, erstreckte sich die Rennloipe nicht nur über weite Teile des Gebietes Schoried, sondern reichte hinunter bis ins Dorf Alpnach, wo die Loipen gar durchs Dorf gespurt wurden.

Turnhalle mit staubigem Bretterboden
Nicht nur Langlaufbewerbe wurden zu dieser Zeit bei genügender Schneelage (auch damals gab es gemäss den Schilderungen von Gründungsmitgliedern bereits schneearme Winter) in Dorfnähe ausgetragen, sondern auch Skirennen. So auf dem sogenannten Hessrain, dem heutigen Chälenrain. Doch auch in den 50er Jahren galt die Devise „Ohne Fleiss kein Preis“ und so bereiteten sich die Mitglieder des SC Alpnach mit seriösen Trainings auf den Winter und die Rennen vor. Die unter der Federführung des technischen Leiters Hans von Atzigen abgehaltenen Trainings dauerten jeweils mittwochs von 20 bis 22 Uhr. Einige meinten in den Anfängen des Skiclubs, sie müssten untrainiert und übernächtigt von den Festivitäten am Samstagabend an die Rennen fahren, doch „Simi-Hansi“ stellte diese „dumme Mode“ schnell ab und motivierte die Mitglieder, den Wintersport seriöser zu leben. Die abendlichen Trainings fanden in der ersten Turnhalle von Alpnach statt. Allerdings hatte die spartanische Einrichtung wenig mit dem heutigen Standard von Turnhallen gemein. Die Turnhalle war im Obergeschoss der damaligen Werkstatt Jakober (heutiger Standort der Famo Druck) eingerichtet. Von der Schulhausstrasse führte eine Treppe hinauf in die Turnhalle mit dem alten, unebenen Bretterboden. Jede Sprungbewegung war begleitet von einem lauten Donnern und Stieben. Um die aktuellsten Übungen an die Trainingsbesucher weitergeben zu können, besuchten jeweils zwei, drei Mitglieder von Zeit zu Zeit einen speziellen Kurs, an dem die neuesten Erkenntnisse in der Leibesertüchtigung weitervermittelt und zu neuen Übungen fortentwickelt wurden.

Mit Tannenästen auf zum Gipfelsturm
In den Jahren 1954/55 begann die Zeit der Skitouren. Hermi Bürgi revolutionierte dabei das Transportwesen: Er besass als einer der ersten ein Auto – wenn auch nur gelegentlich jenes seines Vaters. Die Mitglieder des Skiclubs mussten nicht mehr mit dem Zug oder gar mit dem Fahrrad zu den Skistationen fahren, sondern wurden komfortabler und weitaus flexibler mit Personenwagen umherchauffiert. Auch „Simi-Hansi“ hatte ein Fahrzeug zur Verfügung, konnte jedoch noch nicht selbst fahren. Und so musste seine Frau Chauffeur spielen. Improvisation war nicht nur im Person- und Gepäcktransport gefragt, sondern auch auf den Touren: Anstelle der heute bekannten Felle banden die Tourenteilnehmer Tannenäste unter ihre Skier. Und los gings in Richtung Gipfel. Berge wurden jeweils auch im Sommer erklommen. Anfang der 60er Jahre führte der Skiclub jährlich Kurse im Klettern, Abseilen und Wandern im Mattalp-Gebiet durch. Die Wanderungen beschränkten sich indes nicht nur auf die Pilatusregion. Als besondere Herausforderung wanderten die Skiclub-Mitglieder auf Schusters Rappen die Obwaldner Grenze ab. Der Start erfolgte im Niederstad, von wo aus der Pilatus erklommen und die drei- bis viertägige Wanderung in Richtung Brienzer Rothorn fortgesetzt wurde.

Jugend in den Club integriert
Doch nicht nur die aktiven Clubmitglieder wurden mit einem reichhaltigen Sommer- und Winterprogramm verwöhnt, auch die jüngeren Wintersportler fanden bald Aufnahme im Skiclub. Allerdings dauerte dies etwas länger, als vom Zentralschweizer Skiverband gewünscht. Die Jugendförderung wurde allerdings schon früher praktiziert, im Rahmen der Schülerskirennen, die jeweils im Gebiet Biel bis Hostatt und Herrenberg ausgetragen wurden. Allerdings fehlte hier eine organisatorische Struktur wie bei einem Verein. „Simi-Hansi“ und Paul Schmid versuchten dennoch, die Rennen so professionell wie möglich zu gestalten. Die Schüler störte die fehlende Vereinsbindung des Anlasses nicht; Hauptsache sie konnten Skifahren und am Renngeschehen teilhaben – auch wenn die Piste vorgängig von allen Teilnehmern mühsam „getrampt“ werden musste. Ein Jahr nach der Gründung des Skiclubs bekam auch die Jugendförderung mehr Gewicht. Bereits 1953 liefen erste Bestrebung in den Reihen des Skiclubs Alpnach, eine eigene JO auf die Beine zu stellen. Doch die Mitglieder des noch jungen Clubs wollten dazumals lieber selber Skifahren als sich um den Nachwuchs kümmern zu „müssen“. Der Zentralschweizer Skiverband schickte jedes Jahr von Neuem einen Brief mit der Aufforderung, doch endlich eine JO-Abteilung ins Leben zu rufen. Die Forderung stiess auf wenig Gehör, doch mit dem zunehmend harscheren Ton der Schreiben gaben sich die Mitglieder des Skiclubs einen Ruck und gründeten mitte der 60er Jahre die JO-Gruppe, die noch heute Bestand hat. Erster offizieller JO-Verantwortlicher wurde Fredi Gehrig. Bis die JO nach langem Zögern aus der Taufe gehoben wurde, motivierte Sepp Küng die Nachwuchsfahrer zur Teilnahme an den Rennen. Das umsorgende Engagement ging gar soweit, dass Sepp Küng die handgeschriebenen Einladungen für die Rennen den Schülern persönlich auf dem Pausenplatz oder zu Hause überbrachte.

Erfolgsduo Niederberger/Steimen
Die Jugendförderung brachte bald erste Erfolge. So wurde Doris Niederberger an den JO-Kantonalmeisterschaften 1966 Erste und Hansruedi Steimen Achter. Ein Jahr später fanden in Engelberg die ZSSV-JO-Meisterschaften statt. Hansruedi Steimen fuhr auf den 5. Platz und sicherte sich damit einen Startplatz an den nationalen JO-Titelkämpfen. Hansruedi Steimen war damit das erste Mitglied des Skiclubs Alpnach, das an den Schweizerischen JO-Meisterschaften starten durfte. Doris Niederberger fuhr an den Zentralschweizer Meisterschaften ebenfalls unter die ersten zehn und wurde Sechste. 1969 organisierte der Skiclub Alpnach erstmals das kantonale JO-Rennen auf der Mörlialp. Der Veranstaltung war ein grosser Erfolg beschieden – nicht weniger als 96 Teilnehmer kämpften um die beiden kantonalen Titel JO-Meisterin und JO-Meister.
Doris Niederberger fuhr weiter auf der Überholspur. 1970 errang das Ausnahmetalent des Skiclubs Alpnach viermal einen Tagessieg an regionalen Rennen. Die Fahrerinnen und Fahrer des Skiclubs Alpnach mit den blauen Renngruppen-Pullover und weiss-roten Streifen wurden immer häufiger auf das Siegerpodest gerufen. 1973 übergab Fredi Gehrig das Amt des JO-Leiters an Sepp Barmettler.

Skipisten selber präpariert
1961, acht Jahre vor der erstmaligen Organisation des JO-Rennens, führte der Skiclub Alpnach erstmals die Obwaldner Skimeisterschaften durch. Diese Austragung wurde dann auch zu einem „Heimrennen“ für die Alpnacher: Franz Zurfluh liess sich als Sieger und Obwaldner Meister feiern, ein Jahr später ging der Titel an seinen Bruder Ernst.
Doch die eigentliche Zeit der Clubrennen begann einiges früher. Die ersten Clubrennen fanden noch in Alpnach statt, doch als Wisi Mathis zum Skiclub stiess, brachte der Dallenwiler die Skiclub-Mitglieder dazu, das Clubrennen jeweils in Wiesenberg abzuhalten. Vom Start aus hatte man freien Blick über die gesamte Piste bis hinunter ins Ziel. Wobei das Wort „Piste“ in diesem Zusammenhang etwas gar zu neumodisch klingt. Der verschneite Hang wurde mit den Skiern unter den Füssen „präpariert“ und dazu mit zwei, drei Kontrolltoren beflaggt. Mittels Handzeichen vom Start in den Zielraum wurde das Rennen freigegeben. Meistens verlief die Rennprozedur ohne grössere Probleme – von den ungenauen Zeitabweichungen einmal abgesehen… Doch einmal passierte es, dass das Rennen zwei Wochen später erneut gestartet werden musste. Die Uhren hatten infolge der kalten Witterung ihren Dienst versagt. 1965 wurde dann das erste Clubrennen auf der Mörlialp ausgetragen.

Franz Zurfluh – 31 Jahre im Vorstand
Als „Urgestein“ des Skiclubs darf Franz Zurfluh bezeichnet werden. 1975 wurde er zum Präsidenten gewählt und stand dem Club 13 Jahre in dieser Funktion vor. Seine Vereinstätigkeiten begannen 1958 als Materialverwalter. Ein Jahr später übernahm er das Amt als technischer Leiter und ab 1960 als Aktuar. Das Gründungsmitglied des Obwaldner Skiverbandes (OSV) wurde 1973 überdies J+S-Leiter und bot erste Fitness-Kurse an, die er ab und zu mit einem Technik-Training in der Halle ergänzte. Die Trainingswilligen nahmen dabei von zu Hause die Skier mit und übten mit Fleiss Stemmbogen und Schwungvarianten in der wettergeschützten Halle. Vorgängig bestellte Franz Zurfluh vom Filmdienst der Eidgenössischen Turn- und Sportschule Ausbildungsfilme, führte diese den Trainingsbesuchern vor und setzte die Erkenntnisse jeweils in den Trainings um, zu denen oftmals bis zu 50 Turnbegeisterte kamen. In der Person von Klara „Klexi“ Niederberger fand er eine gute Helferin in der Leitung dieser Kurse.
Franz Zurfluh war als Fahrer selbst sehr aktiv und überaus erfolgreich. 1961/62 wurde er Tagessieger am Heiligkreuz-Riesenslalom, dem Krienser Skitag oder an der Mythen-Abfahrt. Hinzu kamen einige vordere Plätze am Klewenderby und im Rigi-Slalom sowie mehrfache Titelgewinne an Obwaldner Skimeisterschaften und Clubmeisterschaften. Zusammen mit seinem Bruder Ernst trat Franz Zurfluh erfolgreich in die Fussstapfen von Hermi Bürgi und Leo Krummenacher, den ersten Rennfahrern des Skiclubs. Da es noch keine vereinseigene Trainingsgruppe gab, mussten Franz und Ernst Zurfluh für ihre Trainings im Gubergebiet die Skipiste selber herrichten oder trainierten mit der Renngruppe des Skiclubs Alpina Sarnen, der über eine eigene Renngruppe verfügte. In Grindelwald holten sich die beiden Alpnacher in „fremden“ Diensten mit den Sarner Rennkollegen etliche Male den Mannschaftstitel in der Kategorie „Unterländer“.
1989 verabschiedete sich Franz Zurfluh nach 31jähriger Vorstandstätigkeit aus der Führungsetage des Skiclubs und wurde für sein langjähriges Wirken mit der Ehrenpräsidentschaft geehrt. Das Präsidialamt übernahm Susi Abächerli (ehemals Küchler) – als erste und bisher einzige Präsidentin in der Clubgeschichte.

Erfolgreiche Alpnacher Langläufer
Vom alpinen zum nordischen Skisport: Die Begeisterung für den nordischen Sport unter den Mitgliedern des Skiclubs Alpnach war bereits an den Schorieder Langlaufrennen auszumachen, doch fehlte jahrelang eine derartige Abteilung im Skiclub. Bis Peter Nufer 1972 eine Langlauf-Gruppe initiierte. Immer wieder machten die Langläufer des Skiclubs Alpnach mit guten Leistungen von sich reden. Otti Küng nahm als erstes Clubmitglied an den Schweizer Meisterschaften über 50 Kilometer teil, Peter Nufer bestritt 20 Mal den Engadiner Skimarathon und Kobi Wyrsch beendete den längsten Langlauf der Welt, den prestigeträchtigen Vasa-Lauf in Schweden, im ersten Drittel der rund 10000 Athleten. Weitere erfolgreiche Langläuferinnen und Langläufer waren Viktor Küchler, Rita Mathis, Monika Küng, Ernst Peter (er gehörte im militärischen Triathlon zur nationalen Spitze) und Klaus Wallimann, der heute noch im Langlauf- und Berglaufbereich erfolgreich aktiv ist. Der Langlaufsport ist im Kreise des Skiclubs Alpnach in den 90er Jahren allmählich in den Hintergrund gerückt – mit Ausnahme der beiden Alpnacher Brüder Einar und Lars Wallimann, die heute für den SC Schwendi-Langis starten.

Öffentliche Skikurse bis in die 80er Jahre
In den 60er Jahren erlebten nicht nur die Rennveranstaltungen des Skiclubs einen Aufschwung, sondern auch die vereinseigenen Skikurse, die jeweils anfang Dezember durchgeführt wurden. Die von Hermi Bürgi und Leo Krummenacher initiierten Skikurse auf dem Gummen oder auf Melchsee-Frutt hatten Bestand bis weit in die 80er Jahre. Die geübteren Skifahrer im Kreis des SC Alpnach unterrichten jeweils die Skikurs-Teilnehmer. Der erste öffentliche Skikurs wurde im Dezember 1963 auf der Melchsee-Frutt durchgeführt. Die damals ungebrochene Beliebtheit dieses Vereinsanlasses lässt sich noch heute an den vielen Mitgliedern des Skiclubs erkennen. Denn der Kurs sorgte immer wieder für Neueintritte und eine dadurch stets steigende Mitgliederzahl. Einige Mitglieder des Skiclubs hat die Begeisterung derart erfasst, dass sie im Winter regelmässig als Skilehrer in offiziellen Skischulen arbeiteten. Der frühere JO-Leiter Sepp Barmettler führt heute die Schweizer Ski- und Snowboardschule auf Melchsee-Frutt.

Aktive JO und Renngruppe
Sepp Barmettler übergab das Amt des JO-Leiters mitte der 70er Jahre an Klara „Klexi“ Niederberger. Nach der sommerlichen Vorbereitung in der Halle folgten intensive Schnee-Trainings. So trainierte das Team 1971 schon kurz nach dem ersten Schnee achtmal auf dem Susten. Material – wie Torstangen und Skier – konnten nur soweit mit den Fahrzeugen befördert werden, wie es die Schneelage und der Zustand der Passstrasse zuliessen – der Rest der Strecke musste zu Fuss und mit dem Material auf dem Buckel zurückgelegt werden.
Louis Lintner fuhr Rennen im Interregion- und im ZSSV-Kader, Thomas Flüeler gehörte zur regionalen Elite. Später kämpften Peter und Markus Zurfluh erfolgreich im ZSSV-Kader um Spitzenpositionen während Armin Kiser als äusserst talentierter Elite-Fahrer einige Spitzenresultate für den Club herausfuhr. Kiser war Mitglied des Interregion-Kaders. Nachwuchsförderung wurde im Kreis des Skiclubs stets gross geschrieben. 1981/82 organisierte der Club in seinem Stammgebiet Mörlialp ein Lager für die JO und die Renngruppe in der Leo-von-Wyl-Hütte oberhalb der Mörliegg. Ab 1983 fanden diese Lagerwochen jeweils in der Hütte Alpoglen statt, die Anfang der neunziger Jahre jeweils für die Dauer des ganzen Winters gemietet wurde.
1989 standen die Namen von über achtzig Kindern auf der JO-Mitglieder-Liste. Dies verlangte von den drei Leitern jeweils gutes Fingerspitzengefühl, um die bis zu 55 Kinder in der Turnhalle beim Ausleben ihres Bewegungsdranges zu zügeln und ein einigermassen geregeltes Training durchzuführen. Die JO ist auch heute noch fester Bestandteil des Skiclubs Alpnach. Die Nachwuchsarbeit wurde in diesem Jahr mit der Teilnahme von vier JO-Fahrern am nationalen Migros-Grand-Prix-Finale belohnt. Ab Saison 2002/03 gehören Silvio Kiser und Florian Odermatt dem ZSSV-Kader an. Die JO-Renngruppe zählt derzeit zwölf erfolgreiche Fahrerinnen und Fahrer, die mehrheitlich dem OSV-Kader angehören. Die Vorbereitungen für den Winter beginnen bereits im Sommer mit Street-Slalom-Wettkämpfen, an denen sich die Nachwuchsfahrer ebenfalls erfolgreich in Szene setzen.
Da der mittlerweilen gut befreundete Skiclub Guber (wenn man an die früheren Duelle am Schorieder Langlauf und an den Skirennen denkt, ist dies gar nicht so selbstverständlich…) über keine eigene JO-Abteilung verfügt, übergeben dessen Verantwortliche alljährlich am Chly Schlierä Fäscht einen Check mit einem namhaften Betrag für die Juniorenförderung an den Skiclub Alpnach.

Waldfest, Lottomatch, Snowbike…
Der Skiclub Alpnach bietet seit jeher seinen Mitgliedern als auch der Alpnacher Bevölkerung ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen. 1970 fand unter Mitorganisation des Skiclubs das Waldfest verschiedener Alpnacher Vereine statt, dessen gesamter Ertrag für den Bau der Waldhütte verwendet wurde. Der neue Anlass war äusserst erfolgreich und wurde in der Folge einige Male durch den Skiclub als alleiniger Organisator durchgeführt.
Im Restaurant Schlüssel fanden 1971 die Feierlichkeiten zum 25-Jahr-Jubiläum des Skiclubs statt. Dieses Datum mag in Anbetracht des diesjährigen Jubiläums erstaunen, doch hatten sich die Mitglieder zum damaligen Zeitpunkt keineswegs verrechnet: Sie nahmen die Gründung der Skiriege als eigentliches Gründungsdatum. Anlässlich der 25-Jahr-Feier wurde der Skiclubförderer Hans von Atzigen („Simi-Hansi“) mit der Ehrenmitgliedschaft beehrt.
Drei Jahre später fand der erste Lottomatch statt. Aus wettertechnischen Gründen verzichtete man in Kreisen des Skiclubs auf die Durchführung des Waldfestes und versuchte es anstelle dessen unter der Leitung des Sarners Hans Gasser mit der Organisation eines Lottomatches. Mit einem vierstelligen Reingewinn war dem Anlass ein Blitzstart beschieden. Doch dem war bei den nachfolgenden Austragungen nicht immer so. Einmal resultierte ein minimaler Reingewinn von 12.60 Franken – und dies nur, weil die Gemeinde grosszügigerweise auf die ihr zustehende Abgabe verzichtete… Zunehmend konkurrenzierten andere Lottomätche den Anlass. Und so wurde 1994 der letzte Skiclub-Lottomatch durchgeführt. Eine neue Einnahmequelle wurde gesucht und alsbald im Snowbike-Parallelslalom gefunden. Die neue Disziplin auf Schnee wurde durch den damaligen Clubpräsidenten Oliver Marko kreiert und 1995 erstmals auf der Mörlialp ausgetragen – insgesamt sechsmal. Der Bikesport gehört auch im Sommer zum festen Bestandteil des Clubprogramms. Seit zehn Jahren bietet der Skiclub Alpnach für seine Mitglieder Biketouren an. Anfang der 90er Jahre lancierte Thomas Zumstein den seither bestehenden Triathlon als Sommerausdauertest. Ebenso gehören die Sonnenaufgangswanderungen aufs Matthorn bereits zur Tradition, so wie im Winter das Nachtskifahren mit Fondue-Essen. Zur Tradition hat sich auch die Teilnahme an einem Traditionsanlass entwickelt: 1988 trat der Skiclub erstmals mit einem Viererteam am legendären Inferno-Rennen vom Schilthorn hinunter nach Lauterbrunnen an. Seither ist die Teilnahme von Skiclub-Mitgliedern bereits zu einer nicht mehr wegzudenkenden Tradition geworden. Thomas Zumstein wurde für seine 13 Teilnahmen von den Organisatoren mit einem diamantenem Abzeichen geehrt.

Stets am Puls der Zeit
Vielfalt ist angesagt im Winter: Die Schnee-Sportarten im Skiclub Alpnach beschränken sich nicht mehr nur aufs Skifahren und Langlaufen. Mit der Fortentwicklung im Wintersportbereich haben auch andere Sportgeräte wie Snowboard, Snowblades und Telemark ins Aktivitätenprogramm Aufnahme gefunden. Der Skiclub beweist damit, dass er sich modernen Entwicklungen keineswegs verschliesst und stets bestrebt ist, innovativen Geist zu beweisen.
Diese Weitsicht kam auch 1988 zum Ausdruck: Die traktandierte Anschaffung einer eigenen Zeitmessanlage sorgte an der ausserordentlichen Generalversammlung von 1988 unter der Leitung von Franz Zurfluh für viel Gesprächsstoff. Trotz heftiger Debatte und finanziellem Engpass sprachen sich die Mitglieder mehrheitlich für die Anschaffung der Zeitmessung aus. Rund die Hälfte des Clubvermögens wurde in die Anlage investiert. Die Zweifel über den Nutzen dieser Zeitmessung legten sich jedoch bald. Denn die Sport-Toto-Kommission steuerte einen namhaften Beitrag bei, und die Anlage konnte an weitere Vereine vermietet werden, so dass sie nach drei Jahren amortisiert war. Durch die Vermietung hat der Skiclub eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen. Das Betreuerteam der Anlage wurde bald darauf als „ALGE-Team“ an diversen Anlässen bekannt und geschätzt. Und bei clubeigener Durchführung von Grossanlässen erwies die Anlage nützliche Dienste – wie in jüngster Zeit: Obwaldner JO-Kantonalmeisterschaft (1990), OSV-Skimeisterschaft (1991), Ob- und Nidwaldner Langlaufmeisterschaft (1993), JO-Punkterennen (1996) und JO-ZSSV-Meisterschaft (1997).
Der Skiclub Alpnach mit seinen heute rund 200 Aktiv- und Passivmitgliedern darf auf 50 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Auch wenn sich seit den Anfängen das Material, die Technik und gar die Wintersportarten stark gewandelt haben, so haben die Statuten und der Vereinszweck aus der Gründerzeit weitestgehend noch Bestand: Das gemeinsame Erleben von Schneesport und sommerlichen Aktivitäten.